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Triumphus Amoris Quem Reverendissimo, Nobili Et Amplissimo Domino Domino Placido Celeberrimi Monasterii Lambacensis Abbati Et Fundatori Secundo, Nec Non Sac. Caesar. Maiestatis Consiliario, Inclytorum Statuum Super: Austriae Deputato, Patri Suo Amandissimo, Cum Trigesimum Regiminis sui Annum feliciter complevisset, Adornavit Conventus Lambacensis
1670
Gedruckt bei Johann Baptist Mayr in Salzburg
 
Anläßlich des 30. Amtsjubiläums von Abt Plazidus Hieber bedachte der Konvent des oberösterreichischen Benediktinerstiftes Lambach den Jubilar am 8. Mai 1670 mit einer emblematischen Gratulationsschrift.
Plazidus Hieber (22. 10. 1615-12. 09. 1678) war 24jährig am 8. Mai 1640 zum 42. Abt von Lambach gewählt worden, nachdem er in diesem Kloster 1631 sein Noviziat begonnen und am 29. 12. 1638 (oder 1639) die Priesterweihe empfangen hatte. Bei seiner Einkleidung hatte der als Georg Hieber in Füssen geborene Sohn eines Patriziers den Klosternamen Plazidus angenommen.
Während seiner insgesamt 38 Jahre dauernden Regentschaft zeichnete sich der Abt insbesondere durch seine ökonomischen Fähigkeiten und seine rege Bautätigkeit aus, weshalb er auf dem Titelblatt der Jubiläumsschrift auch als "fundator secundus" des Stiftes Lambach gefeiert wird.
Sein größter Erfolg bei der barocken Erneuerung der Klostergebäude, der im 'Triumphus Amoris' immer wieder zum Ausdruck kommt, ist der Neubau der Lambacher Stiftskirche in den Jahren 1652 bis 1656.
Die von Johann Baptist Mayr in Salzburg publizierte Festschrift umfaßt insgesamt 22 bedruckte Folioblätter, wobei nur Titelkupfer, Titelblatt und die Seiten mit den Kupferstichen einseitig bedruckt sind, und enthält sechs Embleme. Da stets dem eingebundenen Blatt mit dem pictura-Kupferstich das Motto und die als subscriptiones aufzufassenden Texte erst auf der nächsten Seite folgen, ist der emblematische Charakter des Werkes der Forschung bisher offenbar entgangen, da der 'Triumphus Amoris' in keiner Emblembibliographie verzeichnet ist.
Die Embleme befassen sich jeweils mit einer herausragenden Leistung oder Tugend Hiebers, nämlich seiner gottgegebenen Weisheit und Frömmigkeit (Taf. nach Bl. Bv), der Loyalität gegenüber dem Kaiser (Taf. nach Bl. Cv), seinen Wohltaten zugunsten der Allgemeinheit (Taf. nach Bl. Dv), dem Einsatz für die Bildung (Taf. nach Bl. Ev), der Selbstaufopferung für seine Mitbrüder (Taf. nach Bl. Fv) und seiner freigebigen Gastfreundschaft (Taf. nach Bl. Gv). Die emblematischen Tafeln sind in die Mitte des jeweiligen Bogens eingelegt.
Das aufwendige Rahmenwerk verdeutlicht anhand von Bauwerkzeugen, sakralen, musischen und Verwaltungsgegenständen (Gesetzbücher, Zepter) ebenfalls die vielfältigen Erfolge des Abtes, dessen Wappen, der eine Kanne in den Klauen haltende Greif, am unteren Ende des Rahmens im Kupferstich zu sehen ist. Hinweise auf die beteiligten Künstler gibt es keine.
Die subscriptiones zeigen immer dieselbe Struktur: Sie nehmen vier Seiten ein und gliedern sich in einen dreiseitigen, durch Scheinstrophen akzentuierten Prosatext mit den Taten Hiebers sowie in ein einseitiges, mit "Ode" überschriebenes Gedicht, welches den Jubilar unter dem thematisierten Aspekt feiert. Die Versmaße der einzelnen Oden differieren.
Delikat erscheint, daß der Titel 'Triumphus Amoris' eine Zuneigung der Konventualen zu ihrem Abt suggeriert, die in dieser Art wohl nicht bestanden hat. Plazidus Hieber war nach übereinstimmender Auffassung von Forschern "mehr gefürchteter autokratischer Prälat als geliebter Vater und Abt" (Dussler, S. 158), dem "sowohl sein außerordentlich stark ausgeprägtes Selbstbewußtsein und sein überbordendes Macht- und Karrierestreben als auch seine autokratische Leitung der geistlichen Institution und seine strenge disziplinarische Führung der Ordensbrüder zeitlebens innerhalb des Konvents verübelt" wurden (Bogner, S. 181). Auch in der Gratulationsschrift wird vorsichtig auf die Strenge des Abtes bei der Einhaltung der Klosterdisziplin hingewiesen (vgl. Bl. G). Der gewaltsame Tod Hiebers am 12. September 1678 - der ungefähr 25jährige Lambacher 'Kuchelmeister' Pater Ernst Fischer hatte drei Tage zuvor den Apfelkuchen des Abtes mit Gift versetzt - macht wieder einmal deutlich, daß zwischen offizieller Diktion und dahinterstehender Geisteshaltung ein großer Unterschied bestehen kann.
 
Literatur: Dussler (1961). - Bogner (1999).
Bibliographie: VD17 12:129185A
 
 
Sprache(n): lt.     -     Kollation: [22] Bl. : Kupfert., 6 Ill. (Kupferst.).     -    Format: 2     -     Fingerprint: uiSi t,t; t.is InEt C 1670R
Signatur: BSB: Res/2 L.eleg.m. 118 s Beibd. 3








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